9.12.19 16.12.19
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    Setzers Abende

  • Natürlich ist es ein Skandal sondergleichen, wenn auf dem Zombieparteitag der Christdemo.... entschuldigung, dass ich die gut einstudierte (und schlecht bezahlte) Pose der Dauerempörung mal kurz unterbreche. Eigentlich interessiert mich gerade etwas anderes. Ich zieh nämlich gerade um. Das ist tatsächlich ein Prozess, der sich über mehrere Wochen erstrecken kann. Jedenfalls wenn man mehr als zwei Taschenbücher und eine Zahnbürste mit sich herumschleppt und sich auch beim 18. Umzug (ja, ich bin nicht nur ein unruhiger Geist, ich hab auch einen unruhigen Hintern) noch fragt: Muss das wirklich mit? Und damit ist nicht nur das hässliche Geschirr von der Ex gemeint oder die Leselampe, die einen schon lange nervt.

    Beim Verstauen der Lektüre etwa stößt man dabei bisweilen auf den Werdegang der Welt - und den eigenen. Wer gibt schon gerne zu, dass er mal Henryk M. Broder gelesen hat, das bärtige Krawallmännchen der Linken, gefeiert in "konkret" und Spontikreisen, der sich einst mit einem echten Richter angelegt hatte. Und der gegen die Verelendung der BRD mal ein Buch schrieb "Bis hierhin und nicht weiter" und nach Israel auswanderte (und dann ganz schnell wieder zurückkam und andere Bücher schrieb)? Na ja, das Beste, was sich heute über das Buch sagen lässt, ist, dass es vergriffen ist. Manchmal denk' ich, es wäre schön, könnte man dasselbe über seinen Autor sagen, der sich heute von Alice Weidel umarmen lässt (im wörtlichen Sinne) und als ewiger "Kronzeuge" gegen alles Muslimische und Türkische in Deutschland ist. Den hatte ich mal im Regal... nicht weitersagen!

    Kontrovers geht ja auch andersherum: Die gesammelten Bücher von Mark Twain bleiben natürlich beziehungsweise kommen mit. Jeder, ein bisschen satirelt, sollte Twain gelesen haben, einen Autor, der heute vorwiegend dafür bekannt ist, dass seine Bücher aus den Regalen der Bibliotheken herausgerissen werden, weil zu oft "Nigger" drin vorkommt. Wer Ende des 19,. Jahrhunderts nicht mit der gleichen kulturbewussten Hirnfüllung herumlief wie heute ein Soziologiestudent im 2. Semester, ist einfach nicht mehr tragbar.

    Twain, Conrad, Kästner, Burgess... Bücher sind ein bisschen wie Jahresringe fürs Bewusstsein. Manchmal nur Bast, um über so manche Frostperiode zu kommen (jaja, sowas wie Schätzing liest man nur einmal im Leben, und dann auch ganz schnell). Aber wenn es gut geht zwischen Autor und Leser, setzt da was an. Ohne das, was ich gelesen habe, wäre ich nicht halb das, was ich... ach Mist. Natürlich kommt ihr alle mit. Wieder einmal.